Von einem schnuckeligen Bergstädtchen ins nächste – daran herrscht wahrlich kein Mangel

Eine kurze Fahrt bringt uns zum ersten Kaffee nach Pienza. Der Papst Pius II ist schuld, dass dort ein architektonischer Höhepunkt der Renaissance erbaut wurde. Er hat versucht diesen Traum in nur 6 Jahren bauen zu lassen. Der wenige Platz, der in seiner Geburtsstadt vorhanden war, erzwang neue Lösungen. Die Perspektive der Weite und der Grandessa ist mit Winkeltricks hingebogen, so dass nur wer genau hinschaut, den Trick durchschaut. Wer den Grundriss genau liest, kann es sehen.



Dann weiter nach San Quirico d’Orcia. Bummeln durch die Gassen, ein Panini im Garten und ein Spaziergang durch den ersten öffentlichen Park Italiens, der heute ein wenig «langweilig» wirkt. Außer Gruen, Treppen und staubigen Wegen wenig Ansprechendes. Aber immer schön rauf und runter. Italienisches Trainingsprogramm.
Fotohalt hier, Fotohalt dort. Am Ende Monticchiello – verträumt, verschlafen, fast vergessen. Heute alles perfekt renoviert, mit Christiane‘s Lieblingskleiderboutique. Dieses Mal kaufen wir nichts, denn sie ist nicht dabei, um zu probieren.

Das dicke Ende kommt zum Schluss 
Als das Auto endlich in Montepulchano geparkt und verschlossen ist, ratsch eine Dame am Auto lang, verbeult beide Türen. Nun hat der Wagen zwar die richtige italienische Knautschform, wir aber den Stress mit der Versicherung. Der zweite Unfall in einem Urlaub. So sollte es nicht weiter gehen. Wir wüschen uns bessere Zeiten.

Florenz

Der Dom von Florenz: „Brunelleschis Bauwerk war eine revolutionäre Leistung. Er hat keine Gerüste benutzt. Giotto hat den Campanile entworfen, aber er ist gestorben, bevor er fertiggestellt war. […] Die neogotische Marmorfassade entspricht seinem Stil, wurde aber erst im neunzehnten Jahrhundert hinzugefügt.“ (Nora Roberts: Das Haus der Donna, 205) 

Heiß, heiß, heiß.
Auf dem Domplatz kein Durchkommen. 7 km Schlange auf jeder Seite vom Eingang. Wir verzichten auf die bunte Kirche und schlagen uns in einem kleinen Stadtteil durch, ohne Touristen. Wir brauchen bei 33° im Schatten eine längere Pause, eine zweite Dusche am Tag und eine dritte am Abend. Und wir brauchen eine Siesta, ausgedehnt.
Später finden wir bei „la Mama“ einen gedeckten Tisch und feine Leckereien- natürlich erst nach einem weiteren bildungsintensiven Kirchgang mit allen Heiligen und architektonischen Besonderheiten von Renaissance bis weiß-rosa-grünem Marmor.
Genug Wein ist auch da!

Auch der Samstag in Florenz beginnt mit mehreren Kirchgängen von weitreichender,  heroischer Größe. Fresken kilometerlang, bis wir nicht mehr können. Und dann: unbedingt wieder Siesta!
Jetzt kommt das Highlight, weswegen wir überhaupt in firenze sind. 21.00 Uhr, Stadion, Konzert, Gianna Nanini, die alte Rockröhre mit Band und singenden Gästen.

Das ganze Stadion singt – nur wir haben unsere Texte wieder nicht gelernt. Die Damen um uns herum schubsen uns an: los, mittanzen. Auf der abschüssigen Reihe 15 wird mir dabei ganz schummrig. Ich setze mich wieder auf ergonomisch merkwürdige Plastikschalen. Wie machen das dicke Fußballfans vom ACF bloß?
Ginna singt bis 23.30, whoa. Wir strömen mit allen anderen Fans zurück in die Stadt und finden tatsächlich 0.05 Uhr auf dem Platz vor unserem Hotel eine Flasche weißen- gut gekühlt und nett serviert, in den Ohren dröhnt noch weiter
„Bello impossible“, die ganze Nacht. Hans und Gerd wollen die alten Rockplast-Fime suchen und schauen ob G. früher wirklich ein Hüpfball war.

DerAutomatengeier bewacht den Automaten für die erste Straßenbahnfahrt nach Florenz 

Vor uns eine Reisegruppe, die den Automaten blockiert und nicht versteht. Daneben ein „hilfreicher“ Mann. Dann ist endlich Gerd dran mit seinem Fünfer. Schnell greift der „Hilfreiche“ das Wechselgeld, das der Automat ausspuckt und gibt es nicht wieder er, sondern fordert für einen nächsten Kaffee noch weitere 50 Cent. Das ist doch auch eine Methode zu Geld zu kommen. In Florenz selbst „bewacht“ hingegen eine viel bescheidenere Frau das Gerät. Sie bittet nur um Geld. Das geht bestimmt weniger gut.

Der „Moni-Tag“ mit Niki de Saint Phalle, Etruskern und fischigen „Schweinereien“

Moin hat Geburtstag und alle ihre Wünsche gehen an diesem Tag in Erfüllung – außer: es ist zu heiß und Moni muss schwitzen. Aber da muss das Geburtstagskind durch. Alle anderen Wünsche erfüllen wir ihr.

Wir besuchen den Tarot-Garten von Niki. Eine lustvolle Pracht aus Farbe, Glitzerzeug und wollüstigen Formen. Niki hat dort während der langen Entstehungszeit zeitweise gelebt in ihrer selbst gefertigten Wohnung in der Kaiserin. Sie hat 20 Jahre an diesem Gartenkunstwerk gearbeitet, ehe es „vollendet“ war. Vermutlich aber hat nur ihr Tod 2002 das Gartenprojekt beendet.

Niki de Saint Phalle, 1930 in Paris geboren, wuchs überwiegend in den USA auf. Vergewaltigung, Heirat, Scheidung, ein erster psychischer Zusammenbruch und Nervenheilanstalt lagen auf dem Weg zu ihrer Kunst. Die Begegnung mit Gaudi inspiriert sie für ihre traumhaften, farbkräftigen Figuren. 

Die Grotte in Hannover, ihr letztes Werk, knüpft unmittelbar an den Tarot-Garten an.

Wir besuchen die Etrusker, schattenfrei, jede(r) eine Wasserflasche in der Hand, geleitet von einem schlechten Plan mit so gut wie keinen Erläuterungen. Ok, das haben wir dann auch gesehen.
Für Hans und Gerd war ohnehin das Beste die Bienenfresser-Kolonie und die Fotostrecke.


Abends fahren wir ans Meer zum Dinner. Porto Santo Stefano, Blick über den Hafen, lautes Italienfeeling, Abgase und lautes Geplänkel – ganz echt!
Hans kutschiert und nach Hause, 2 Stunden Fahrt, Kurve für Kurve… eine kleine Heldentat.

Montepulchiano: Was gibt’s darüber zu erzählen? 

  1. Schön, schön, schön – voller Steigungen. Wann geht es endlich runter?
  2. Entoteca, überall, immer wieder, sogar mit Weinautomat für das Tastsinn, mit unendlich vielen Roten, aber knapp mit weiß,
  3. Mittwochs sind alle Geschäfte geschlossen, nur wir dummen Touris wußten nix davon,
  4. Das Brot ist wie überall ungesalzen und ganz, ganz gewöhnungsbedürftig,
  5. „Unser“ Kaffee um die Ecke hat uns schon als Dauergäste akzeptiert (hat Dino uns bereits angemeldet?) und das Angebot seit unserem letzten Besuch erweitert um Salziges statt nur süße Creme-Croissonts zu bieten, wunderbar,
  6. Die Boutique gegenüber stellt jeden Morgen ein verführerisches Kleid aus, jetzt kenne ich schon den Preis, sehr gefährlich,
  7. Wir bleiben sehr gern noch eine Weile hier.

Allein im Weinberg

Für unsere Zeit in Frankreich haben wir uns bei France Passion angemeldet. Über deren Reiseführer kann man Bauern, Winzer, Käsereien und mehr finden, auf deren Höfen man für eine Nacht kostenlos mit seinem Wohnmobil stehen kann. Wir haben uns das erste Mal darauf eingelassen und einen Winzer auf unserem Weg gefunden. Als wir am Nachmittag ankamen, war noch eine belgisches Wohnschiff da. Nach der Weinprobe – wir sind im Cahors – richten wir uns im Schatten der großen Eiche neben den Rebzeilen ein. Das Wohnschiff reist ab, dann auch der Sohn des Winzers – die Eltern sind im Urlaub.

Unser Weinberg

Wir sind allein auf dem Gipfel eine Hügels, umgeben von Weinfelder, mit Blick in die Tälern ringsum. Der Hund trottet noch einmal vorbei, dann ist Ruhe. Wir kochen, essen, trinken während die Sonne sinkt. Ein Sirren schreckt uns auf. Es ist ein Schwarm Rebhühner. So landen kurz und machen sich schleunigst durch die Weinstöcke davon.

Die Dämmerung wird rot, das Licht schwindet und über uns leuchten die Sterne. Kein Licht in der Nähe stört ihr Strahlen. 

Die Fledermäuse zischen über unsere Köpfe – die Kerze zieht Insekten an.

Am nächsten Morgen weckt uns die Sonne. Noch immer allein, verlassen wir die Weinberge.

Morgens nach dem Frühstück
Nach dem Frühstück

Camping Karaoke

Wir hatten am Abend vorher gekocht. Daher wollten wir im Restaurant des Campings essen. Als wir ankamen, war angeschlagen: Mittwochs (und es war Mittwoch) moules frites et Karaoke – Pizza gab es auch, wie immer. Die Anlage stand schon, die Animationsmucke lief. Eher internationale Titel. Die meisten Tische auf der Terrasse waren reserviert. Wir bekamen einen Tisch am Rande. Nach und nach trudelten die Gäste ein. Viele aus den Bungalows des Campingplatzes. Offenbar waren es Eigentum-mobile homes.

Nach dem das Essen serviert war, ging es los. Sofort traten die ersten Sängerinnen und Sänger nach vorn. Kinder dann auch, dann die Eltern mit den Kindern. Ein Mann war offenbar extra vorbeigekommen, um zu singen – 4 oder 5 Mal kam er nach vorn. Jedes Mal einen französischen Chanson, wie alle anderen auch. Die kleinen Mädchen versuchten sich an Rap. Stimmlich war alles eher schräg, nur eine Mutter war gut und ihr Sohn bei den Refrains im Duett. Und dann kam der Koch. Er hatte es wirklich drauf. Zweimal Jean Ferret. Echtes Highlight unter all den Möchtegernsternchen.

Wir sind nach der Pizza gegangen, und haben den ganzen Abend gehört, wie es weiter ging.

Am späten Abend zuvor gab es Haus- bzw. Zeltmusik. Zwei Frauen spielten Gitarre und Querflöte. Sehr schön, ihnen auf dem dunklen Platz zuzuhören.

Nach der Radtour durch die Schotterwege der Berge! Hab mein Rad schnell weggestellt, ab ins Schwimmbecken.

Und dann noch das:

„Tom geht ein Stück am Ufer entlang, setzt sich unter einen Baum. Während er sich eine Zigarette angezündet, denkt er, dass Campingplätze grauenhaft sind, dass Campingplätze ihm schon immer zuwider gewesen sind. Er raucht und drückt seinen Rücken in die harte Rinde des Baumes. Die täglichen Verrichtungen fremder, dazu hässlicher Menschen sehen zu müssen, ihre Wäsche jeden Tag, Unterwäsche, Bikinis auf Wäschespinnen, ihre Kulturbeutel, ihre Rasierapparate, ihr nacktes, weises Geschirr, das sie vor aller Augen abspülen, … Das ganze Organisierte dieses Lebens.“ (Die Ordnung der Sterne über Como, Berlin 2013)

Wer ein trauriges, existenzielles Werk lesen möchte, nehme das oben genannte.

Verkehr in Italien

Heute haben wir etwas Außergewöhnliches erlebt. Etwas 30 Minuten fuhr einige Wagen vor uns ein Polizeiwagen. Er fuhr nur so schnell, wie es laut Beschilderung erlaubt war. Und nicht ein Wagen hat ihn überholt. Alle schön dahinter mit erlaubter Geschwindigkeit. So etwas hatten wir bisher noch nicht erlebt. Denn in Italien fahren alle so schnell, wie sie es für angemessen halten. Und da etwa 95% aller Strecken mit einem Überholverbot belegt sind – inklusive durchgezogener Linie – wird auch dieses nicht mal als Empfehlung angesehen. Was auf die Straße gemalt ist, hat offenbar keine Bedeutung. Nicht nur durchgezogene Linie werden ohne Zögern überfahren, auch schraffierte Flächen und Linksabbiegerspuren, auch die der Gegenrichtung, werden gern zum Überholen genutzt. Dann ist wenigsten mal genug Platz. Wenn es eng wird, weichen die entgegenkommenden Fahrzeuge in der Regel aus. Gehupt wird dann schon. Aber Hupen hat viele Bedeutungen. Bekannte werden damit begrüßt, der Hinweis gegeben, doch endlich mal die Straße frei zu machen und das Geplauder mit den Bekannten einzustellen, Autos gewarnt, dass man gerade überholt und sie jetzt nicht links abbiegen sollten… Denn der Blinker wird selten genutzt, vor allem nie beim Überholen im Überholverbot. Vermutlich weil es dann nicht als richtiges Überholen gilt.

Ich habe mich gefragt, was eigentlich mit den Assistentssystemen ist, die in den Oberklassenwagen inzwischen serienmäßig verbaut werden. Müssen die italienischen AutofahrerInnen jedes Mal massiv gegenlenken, weil der Wagen vor dem Überqueren einer Linie ohne blinken ja automatisch versucht, wieder in die Spur zu kommen? Oder werden in Italien diese Systeme sowieso ab Werk deaktiviert?

Das völlige Ignorieren der Geschwindigkeitsbegrenzungen hat mich am Anfang ziemlich unter Druck gesetzt. In Deutschland hat sich ja die Regel eingbürgert, etwa 10 – 20 km/h schneller zu fahren als vorgeschrieben. In Italien ist das völlig anders. Alle fahren auf Landstraßen zwischen 90 und 100 km/h, außer die Strassenverhältnisse lassen es wirklich nicht zu. Was auf den Schildern mit der Geschwindigkeitsbegrenzung steht, ist dabei völlig egal. Viel schneller fahren die Menschen auch eher selten. Zwei Ausnahmen haben wir beobachtet.

  1. Das Auto oder das eigene Gefühl zur Fahrsicherheit gibt nicht so viel her.
  2. Es gibt ein aktives Blitzgerät oder – häufiger – eine Streckenkontrolle.

Und der oben erwähnte Fall mit dem Polizeiwagen. Wobei normalerweise auch ein Polizeiwagen nicht dazu führ, sich an Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverbote zu halten. Wir haben nicht verstanden, was diesmal anders war.

Der Zustand der Straßen

Italienische Straßen sind fast immer mir Schlaglöchern übersäht. Ausnahmen bilden die Autobahnen und neue Abschnitte der strada statale. Das hindert aber die Autofahrer/in nicht, ihr übliches Tempo beizubehalten. Wir waren dann in der Regel ein Verkehrshindernis, weil wir nicht unsere gesamte Inneneinrichtung durchrütteln lassen wollten. Dabei sind die Autofahrer/innen normalerweise nicht aggressiv und nehmen auf Fußgängern und Radfahrer durchaus Rücksicht.

Am See

Wir waren 2 Tage zur Entspannung am See. Baden, kochen, Pflanzen bestimmen, Baden, kochen, Pflanzen bestimmen, Baden, kochen, Pflanzen bestimmen. Alles.

Still ruht der See, kein Boot in Sicht, kein Auto zu sehen, kein Haus weit und breit